Und wieder grüßt das Murmeltier: Unter anderem die zwei größten Göttinger Betriebe (Universität und Uniklinik) stehen mitten in einer Tarifrunde und kaum jemand bekommt es mit. Verhandelt wird der sogenannte Tarifvertrag der Länder (TV-L), der in diesen Betrieben, wie auch z.B. in Schulen angewendet wird. Die Gewerkschaften fordern Anschluss zu halten an die Lohnentwicklungen in anderen Branchen und vor allem an die Entwicklung im Öffentlichen Dienst des Bundes und Kommunen. Was ist das Besondere?

Die Landesbeschäftigten (und Beschäftigte in Tochtergesellschaften wie der Universität und Uniklinik) organisieren sich vergleichsweise schlecht und sind daher viel weniger durchsetzungsstark. In Ministerien, Gerichten, Katasterämtern etc. gibt es kaum Traditionen von kollektivem Arbeitskampf, an die angedockt werden könnte (einzige Ausnahme: die Straßenbauverwaltung/ Autobahnmeisterei, die auch erfolgreich die Privatisierungspläne abwehren konnte).

Es ist deshalb gewerkschaftliche Pionierarbeit, welche die KollegInnen z.B. an der Universität und Uniklinik leisten, wenn sie nun versuchen Hunderte von Beschäftigten für den Arbeitskampf zu mobilisieren. Erschwert wird die Mobilisierung dadurch, da die Forderungen immer einen Kompromiss aus der „Fläche“ darstellen, also nicht unbedingt die dringendsten Forderungen aus einzelnen Teilbereichen wider­spie­geln…

Dieses Jahr streiten die KollegInnen konkret für

  • eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent, mindestens aber um 175 Euro monatlich
  • die verbindliche Übernahme der Auszubildenden
  • eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro monatlich und
  • eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs für Auszubildende von 27 auf 30 Tage.

Erschwert werden die Verhandlungen durch die zusätzliche Forderung der Gewerkschaften, endlich die angestellten LehrerInnen in die Entgeltordnung aufzunehmen und damit willkürliche Eingruppierungen in den unterschiedlichen Bundesländern zu beenden.

Die Arbeitgeber machen dagegen ein Angebot ihrerseits von massiven Einschnitten bei der Zusatzversorgung (VBL) abhängig. Diese hat für die Beschäftigten angesichts des massiven Abbaus der gesetzlichen Rente zunehmend an Bedeutung gewonnen und die geforderten Leistungskürzungen stellen einen massiven Angriff dar!

Nun werden die Beschäftigten der Länder also wieder mit Streiks zeigen müssen, wie ernst es ihnen mit der Verteidigung ihrer Interessen ist ….

 

Flächentarif - Fluch und Segen

Der Flächentarifvertrag kann im Gegensatz zu Haus- oder Konzerntarifverträgen die Konkurrenz um Lohnkosten zwischen Betrieben aufheben. Im Umkehrschluss ist es aber aufgrund der großen Fläche, die durch diesen Tarifvertrag reguliert wird, oft nicht möglich, spezifische Forderungen für einzelne Bereiche durch zu setzen. Spezifische Forderungen die z.B. in der UMG besonders drängend scheinen (mehr Personal bzw. Personalbemessungsstandards) finden sich daher kaum im Forderungskatalog zur TV-L Runde… was natürlich einer Mobilisierung nicht zuträglich ist.